Visite in China

Zehn Schüler der Klassen 7 bis 11 des Neuen Gymnasiums Glienicke weilten mit zwei Lehrern vom 30. März bis 13. April 2015 in der Volksrepublik China.

In Peking besichtigten sie innerhalb von vier Tagen kulturhistorische Sehenswürdigkeiten wie den „Platz des himmlischen Frieden“, Kaiser- und Sommerpalast, Lama-Tempel sowie das Olympia-Stadion. Auch die Große Chinesische Mauer, unweit Pekings, wurde bewältigt.

Ganz mutige Schüler probierten in der Altstadt gegrillte Skorpione. Ansonsten wurde in typischen chinesischen Restaurants gegessen – mit Stäbchen. Obwohl das Essen dort vielfältig und schmackhaft war und die erworbene Fingerfertigkeit es erlaubte, selbst meterlange Nudeln gefahrlos in den Mund zu befördern, blieb doch auch die Sehnsucht nach Pizza und Burger, nach Cola und Sprite.

Bevor die Gruppe nach Chengdu weiterflog, besuchte sie noch am Vormittag die Pekinger Mittelschule „Fangxingyuan“. Dem herzlichen Empfang durch etwa 400 Schüler in der Aula mit einem eigenen Schullied folgte die persönliche Vorstellung der Glienicker Gymnasiasten auf der Bühne. Nun sollten auch sie ihr Schullied vortragen. Ratlosigkeit! Dann sangen sie mutig „Oh Tannebaum…“. Anschließend nahmen sie am Musik-, Kunst- und Kalligraphie-Unterricht teil. (siehe Video)

In Chengdu, der 14-Millionen-Metropole der Provinz Sichuan, nachts angekommen, empfingen die Gasteltern mit ihren Kindern die Schüler. Die beiden Wochenenden verbrachten sie in den Gastfamilien, mit denen sie auch Ausflüge unternahmen.

Ein Junge berichtet darüber:

„Ich fand unsere Reise nach China sehr schön und ausgesprochen interessant. Besonders das Essen in Chengdu war sehr lecker. Ich fand es überraschend, wie modern und reich die Städte waren. Wir unternahmen viele Ausflüge, die meisten haben mir gefallen. An der Schule wurden wir ausgesprochen nett empfangen. Der Fahnenappell war beeindruckend und an unseren Heimatschulen in dieser Form kaum vorstellbar. Von meiner Gastfamilie wurde ich sehr herzlich und freundlich aufgenommen. Mit meiner Partnerschülerin gingen wir oft zu McDonalds und Subway. FastFood-Restaurants sind in China sehr beliebt.“

Vom 6. April bis 10. April 2015 wohnten die Glienicker im Internat der Partnerschule und beschreiben den Schulalltag wie folgt:

„Wir erlebten ein faszinierendes Land, 4 000 Schüler in Reih und Glied vor uns positioniert.

„Tamen zai nali you!“ – oder so ähnlich erklang es, als wir das Schulgelände der „Experimental Foreign Languages School West Campus, Chengdu“ betraten. An unserem ersten „Schultag“ konnten wir im Deutschunterricht der Schule hospitieren. Diese Stunde sollte uns noch schwer beeindrucken. Nicht nur waren die Schüler auf einem verhältnismäßig hohen sprachlichen Niveau, wenn man bedenkt, dass diese Zehntklässler erst seit einem Jahr die deutsche Sprache erlernen, nein, auch wurde der Unterricht ohne Störungen sehr diszipliniert durchgeführt. Da könnten sich die deutschen Schüler mal eine Scheibe abschneiden! Die Unterrichtsstunde stand unter dem Thema „Sport“ und den chinesischen SchülerInnen wurde ein Arbeitsblatt gegeben, worauf man jeweils eine Sportart einer passenden Umschreibung zuordnen musste. Diese Aufgabe lösten sie, teilweise mit Hilfe der deutschen SchülerInnen, ohne weitere größere Probleme. Was uns auffiel war, dass die Jungen und Mädchen getrennt saßen.

In der zweiten Hälfte der Stunde sollten die SchülerInnen eine Statistik der Lieblingssportarten innerhalb der Klasse erfassen. Weiterhin sprachen die chinesischen SchülerInnen konsequent deutsch. Dies wäre ein utopischer Zustand im Fremdsprachenunterricht in Deutschland. Nach 40 Minuten des konzentrierten Lernens erklang die Klingel und wir brachen auf, um im Deutschunterricht der neunten Klasse zu hospitieren. Diesmal wurden wir nicht ruhig empfangen, denn die Schüler (größtenteils Mädchen) schrien laut als würde ihr größtes Idol vor ihnen stehen. Besonders die großen Jungs unserer Gruppe wurden mit enormer Begeisterung empfangen. Die Chinesen wollten Fotos mit uns machen und fragten teilweise auch nach Handy-Nummern und email-Adressen. Diese Stunde war recht strukturfrei, die Zeit wurde mit Interviews seitens der Chinesen gefüllt. Als der Gong ertönte machten wir uns auf zur Mensa. Dort wurde uns das mit Abstand schlechteste Essen serviert, das wir während unseres gesamten Aufenthalts in China zu Gesicht bekommen sollten.

Die Schüler der Schule waren jedoch ausgesprochen freundlich und zeigten uns den Schul-Supermarkt, wo man auch Kleinigkeiten zu essen erwerben konnte, denn sie waren, wie wir, der Meinung, dass man das Mensaessen lieber meiden sollte, wenn man ein langes, heiteres Leben führen wollte… Nach dem Mittagessen unternahm unsere Gruppe einen Ausflug. Abends fielen wir in unsere harten Betten; auf sage und schreibe 7 cm dicke Matratzen, die nicht mehr als eine dicke Decke zu sein schienen. Zu erschöpft, um über dieses Luxusproblem zu klagen, schliefen wir ein und stellten uns am nächsten Morgen unter eine Dusche ohne Duschkopf, die aus irgendwelchen mysteriösen Gründen nur kaltes Wasser hervor brachte. Die Toilette war nicht luxuriöser und stellte sich als Loch im Boden heraus. Dem gegenüber stand die immense Gastfreundlichkeit der Schule und Schüler, die uns wie Könige empfingen.“

Vormittags war Unterricht und nachmittags fanden Exkursionen, begleitet von den Deutschlehrerinnen, in die Umgebung statt. Neben der Besichtigung eines mehr als 2 000 Jahre alten Bewässerungssystems in Du Jiang Yan wurde das „Züchtungszentrum für Großpandas“ am nördlichen Stadtrand von Chengdu, etwa 130 km von der Schule entfernt, besucht.

Mit einem Tag Verspätung kam die Glienicker Schülergruppe wieder wohlbehalten in Berlin an.

Und nun zum Schluss: herzlichen Dank an die Initiatoren, Organisatoren und insbesondere an die Gastgeber dieser Reise ins Reich der Mitte.